Älteste Berichte

 

Will man die Geschichte seiner Vorfahren möglichst weit zurückverfolgen, geht man der ältesten Geschichte seines Volkes soweit nach, wie sie in den Chroniken noch erkennbar ist.

 

Die Stammväter unseres Zweiges waren vor 800 Jahren im Kanton Appenzell (Schweiz) zu Hause. Diese Bevölkerungsgruppe, die Gründer der heutigen Schweiz, entstammen demselben Volk wie auch die Bewohner Süddeutschlands: den Alemannen.

 

Alemannen bedeutet soviel wie "LeuteCS_181354130008 desCS_181354130008 AllahCS_181354130008"[1]. Sie  waren Nachkommen der alten Semnonen, dem Kernvolk der Sueven (Sueben = Schwaben). Dieses Volk wurde etwa 100 Jahre n. Chr. vom römischen Geschichtsschreiber TacitusCS_181354130007[2] so beschrieben:

'... wild blickende blaue Augen, rötliches Haar und große Gestalten. Für Strapazen und Mühen bringen sie wenig Ausdauer auf, am wenigsten ertragen sie Durst und Hitze; wohl aber sind sie durch Klima oder Bodenbeschaffenheit gegen Kälte und Hunger abgehärtet. Wollte man ihnen - ihrer Trunksucht nachgebend - verschaffen, soviel sie wollen, so könnte man sie leichter durch ihr Laster als mit Waffen besiegen...'

 

Vor 2000 Jahren also - das sind ca. 70 Generationen - hauste dieses germanische Volk in dem jetzigen Land Brandenburg in Ost-Deutschland. Sie waren vielfach nomadisierend und trieben wenig Ackerbau und Viehzucht . In der Hauptsache der Jagd obliegend, oft genug auch dem Krieg und umgeben von stammverwandten, ebenso rauflustigen Völkerschaften führten sie ein recht unsicheres und unruhiges Dasein. All diese Völker vermehrten sich für jene karge Gegend zu stark. Es war daher notwendig, nach fruchtbaren Gegenden auszuwandern, die sie im Süden wussten. Dazu kam der immer größer werdende Druck der östlich hausenden Völker. An diese Ereignisse erinnert Friedrich Schiller (Wilhelm Tell):

'Hört, was die alten Hirten erzählen: Es war ein großes Volk, hinten im Lande nach Mitternacht, das litt an schwerer Teuerung. In dieser Not beschloss die Landesgemeinde, dass je der zehnte Bürger nach dem Los, der Väter Land verlasse. - Das geschah! Und zogen aus, wehklagend Männer und Weiber, ein großer Heerzug, nach der Mittagssonne, mit dem Schwert sich schlagend durchs deutsche Land bis an das Hochland dieser Waldgebirge, wo ein andres Volk mit andren Zungen spricht.'

 

So entwickelte sich etwa 100 Jahre n. Chr. Geburt die größte Völkerbewegung aller Zeit, genannt die

 

Völkerwanderung

 

Im Laufe von fast 400 Jahren wurde durch sie das Römerreich zertrümmert und ganz Europa umgestaltet. Unsere jetzigen Urahnen - die Alemannen - kamen so in die heutigen Gebiete Württemberg, Baden , Elsass und der deutschen  Schweiz.

 

Hart waren die Kämpfe gegen die römischen Legionen, denen das von ihnen beherrschte Land abgetrotzt werden musste. Etwa im Jahre 200 hatten sie sich bis zum Rhein durchgekämpft und hielten Württemberg und Baden besetzt. Ihre Versuche, in die linksrheinischen Gebiete vorzudringen, scheiterten immer wieder an den starken römischen Rheinbefestigungen. Als der fortschreitende Zerfall der weströmischen Streitmacht die Aufgabe der Verteidigung der Rheinlinie zur Folge hatte, war die Entscheidung gefallen. Die Legionen wichen nach Gallien und Italien zurück - die Bahn war frei. Am Neujahrstag 406 zogen die ersten Alemannen mit ihren Familien, Ross, Wagen und Viehhabe bei Basel über den zugefrorenen Rhein. Weitere Haufen folgten auf der ganzen Strecke zwischen Strassburg und Konstanz.

 

Kolonisierung des Landes

 

Mit der römischen Kultur wussten die Alemannen als Barbaren nichts anzufangen. Was ihnen hinderlich war, zerstörten sie. Das übrige, was von den Römern gebaut und eingerichtet war, zerfiel unbenützt.

 

Es verging längere Zeit, bis die Alemannen ihre altgewohnte Neigung zum unsteten Wanderleben und ihr kriegerisches Wesen abgelegt hatten. Ihre fortwährenden Fehden mit den Nachbarvölkern Burgunder und Franken führte schließlich 496 zur Niederlage. Die anschließende fränkische Herrschaft dauerte bis 911.

 

Über die Begebenheiten in Alemannien zwischen dem 5. und 9. Jahrhundert gibt es nur spärliche Überlieferungen. Nach dem Abzug der Römer gab es keine Schreibkundigen mehr im Lande. Als im 9. Jahrhundert Klosterchroniken entstanden und damit wieder Licht in die Geschichte gebracht wurde, war der größte Teil der Bevölkerung zum Christentum bekehrt. Es gab Tausende Gehöfte und Weiler, die die Alemannen größeren Ansiedlungen zunächst  vorzogen. Im 10. Jahrhundert wurden in fruchtbareren Gegenden aus Weilern Dörfer und Städte, die fast alle heute noch bestehen.

 

Die Alemannen haben sich nur sehr selten mit anderen Völkern vermischt. Man kann daher davon ausgehen, dass alle unsere Vorfahren aus diesem Volk stammen.

 



[1] auch “die des Götterhains”

[2] 55-120 n.Christus – In seiner „Germania“ beschreibt er Land, Leute und Sitten der Germanen